Chiropraktische Erhaltungstherapie: Für wen lohnt sie sich wirklich?

Studien zur Chiropraktik #22

Wer unter wiederkehrenden oder anhaltenden Rückenschmerzen leidet, kennt das Muster: Die Beschwerden lassen nach, der Alltag läuft wieder – und irgendwann beginnt alles von vorn. Kann eine individuell geplante chiropraktische Erhaltungstherapie helfen, diesen Kreislauf zu durchbrechen?

Eine 2020 veröffentlichte Studie von Eklund und Kollegen liefert dazu interessante Hinweise.

Was wurde untersucht?

Die Forschenden analysierten Daten von 319 Patienten mit wiederkehrenden oder anhaltenden Kreuzschmerzen, die bereits positiv auf eine initiale chiropraktische Behandlung angesprochen hatten.

Verglichen wurden zwei Strategien:

  • Erhaltungstherapie: regelmäßige, vorab geplante Behandlungstermine – unabhängig davon, ob gerade Schmerzen bestanden.
  • Bedarfsorientierte Behandlung: erneute Behandlung, wenn die Beschwerden wieder auftraten.

Die Patienten wurden über 52 Wochen begleitet. Besonders interessant war die Frage, ob sich die Ergebnisse je nach psychologischem Beschwerdeprofil unterschieden.

Die wichtigsten Ergebnisse

Die Resultate zeigen: Erhaltungstherapie ist nicht für jeden gleichermaßen sinnvoll.

Bei einer bestimmten Patientengruppe – Menschen mit hoher Schmerzbelastung, deutlichen Einschränkungen im Alltag und ausgeprägter psychischer Belastung – zeigten sich Vorteile:

  • Weniger Tage mit beeinträchtigenden Rückenschmerzen während neuer Schmerzepisoden.
  • Längere schmerzfreie Zeiträume: Insgesamt berichtete diese Gruppe über 9,8 zusätzliche schmerzfreie Wochen gegenüber der Vergleichsgruppe.
  • Keine nachweisbare Verhinderung neuer Episoden: Das Risiko beziehungsweise der Zeitpunkt des Auftretens einer neuen Episode unterschied sich nicht wesentlich zwischen den Behandlungsgruppen.

Wichtig: Bei Patienten mit einem eher aktiven, gut angepassten Umgang mit ihren Beschwerden zeigte sich dieser Vorteil nicht. In einer solchen Untergruppe waren die Ergebnisse unter Erhaltungstherapie sogar ungünstiger.

Was bedeutet das für die chiropraktische Praxis?

Die zentrale Botschaft lautet:

Nicht jeder Patient braucht regelmäßige Termine – entscheidend ist die richtige Patientenauswahl!

Eine Erhaltungstherapie sollte deshalb nicht automatisch empfohlen werden, nur weil jemand bereits mehrfach wegen Rückenschmerzen in Behandlung war. Sinnvoller ist eine individuelle Entscheidung auf Grundlage des bisherigen Behandlungsverlaufs, des Leidensdrucks, der Alltagsbeeinträchtigung und der Präferenzen des Patienten.

Ebenso wichtig bleiben aktive Maßnahmen wie Bewegung, Selbstmanagement und eine verständliche Aufklärung über den Umgang mit wiederkehrenden Beschwerden.

Fazit

Die Studie unterstützt einen differenzierten Ansatz in der Chiropraktik: Bei sorgfältig ausgewählten Patienten mit wiederkehrenden oder anhaltenden Kreuzschmerzen kann eine geplante Erhaltungstherapie dazu beitragen, die Zahl der beeinträchtigenden Schmerztage zu reduzieren und beschwerdefreie Phasen zu verlängern. Sie verhindert jedoch nicht nachweislich jede neue Schmerzepisode und ist nicht für alle Patienten gleichermaßen geeignet.

Gute chiropraktische Betreuung bedeutet nicht möglichst viele Termine – sondern die passende Strategie für den jeweiligen Menschen!

Quelle

Eklund A. et al. (2020). The Nordic maintenance care program: maintenance care reduces the number of days with pain in acute episodes and increases the length of pain free periods for dysfunctional patients with recurrent and persistent low back pain – a secondary analysis of a pragmatic randomized controlled trial. Chiropractic & Manual Therapies, 28, 19.

Ich freue mich über Ihren Kommentar!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *