Studien zur Chiropraktik #11
Die Neuroplastizität des Gehirns spielt eine entscheidende Rolle bei der Erholung nach einem Schlaganfall. Je besser das Nervensystem neue Verbindungen aufbauen und Bewegungsabläufe neu organisieren kann, desto größer ist das Potenzial für funktionelle Verbesserungen. Eine im Jahr 2021 im Fachjournal Brain Sciences veröffentlichte Studie untersuchte, ob chiropraktische Justierungen diesen Prozess unterstützen können.
Ziel der Studie
Ein Forscherteam um Kelly Holt wollte herausfinden, ob chiropraktische Justierungen in Kombination mit Physiotherapie einen zusätzlichen Nutzen für Menschen mit subakutem oder chronischem Schlaganfall bieten können.
Dabei sollte insbesondere untersucht werden, ob sich die motorischen Fähigkeiten der Patienten stärker verbessern als durch Physiotherapie allein.
Studiendesign
An der randomisierten kontrollierten Studie nahmen insgesamt 63 Patienten mit subakutem oder chronischem Schlaganfall teil.
Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen eingeteilt:
- Chiropraktische Justierungen plus Physiotherapie
- Scheinintervention (Sham-Chiropraktik) plus Physiotherapie
Der Behandlungszeitraum betrug vier Wochen. Anschließend wurden die Patienten direkt nach der Behandlung sowie erneut vier Wochen später untersucht.
Wie wurden die Ergebnisse gemessen?
Die Forscher verwendeten unter anderem die sogenannte Fugl-Meyer Assessment Scale (FMA). Diese Skala gilt international als einer der wichtigsten Tests zur Beurteilung der motorischen Funktion nach einem Schlaganfall.
Zusätzlich wurden weitere Faktoren untersucht, darunter:
- Mobilität,
- Gleichgewicht,
- Muskelkraft,
- Behinderungsgrad,
- sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität.
Die Ergebnisse
Nach vier Wochen zeigte die Gruppe, die zusätzlich chiropraktische Justierungen erhalten hatte, signifikant größere Verbesserungen der motorischen Funktion als die Kontrollgruppe.
Die Unterschiede waren nicht nur statistisch signifikant, sondern könnten laut den Autoren auch klinisch relevant sein.
Beide Gruppen verbesserten sich im Verlauf der Studie, was den bekannten Nutzen physiotherapeutischer Maßnahmen widerspiegelt. Allerdings erzielte die Gruppe mit chiropraktischer Begleitung in den ersten vier Wochen größere Fortschritte.
Bei der Nachuntersuchung nach insgesamt acht Wochen waren die Unterschiede zwischen den Gruppen jedoch nicht mehr statistisch signifikant.
Was bedeuten diese Ergebnisse?
Die Studie liefert Hinweise darauf, dass chiropraktische Justierungen möglicherweise die Erholung motorischer Funktionen nach einem Schlaganfall unterstützen können.
Die Autoren vermuten, dass Veränderungen der sensorischen Verarbeitung und der sensorimotorischen Integration im zentralen Nervensystem eine Rolle spielen könnten. Frühere Untersuchungen derselben Forschungsgruppe hatten bereits gezeigt, dass chiropraktische Interventionen die Aktivität bestimmter Hirnregionen beeinflussen und die kortikale Ansteuerung von Muskeln verändern können.
Diese Prozesse stehen in engem Zusammenhang mit der Neuroplastizität – also der Fähigkeit des Gehirns, sich anzupassen und neue neuronale Verbindungen auszubilden.
Grenzen der Studie
Wie bei jeder wissenschaftlichen Untersuchung gibt es auch hier einige Einschränkungen:
- Die Studie war als explorative Untersuchung angelegt.
- Der Beobachtungszeitraum war relativ kurz.
- Es wurden keine direkten Messungen struktureller Veränderungen im Gehirn durchgeführt.
- Weitere Studien mit größeren Teilnehmerzahlen und längeren Nachbeobachtungszeiten sind erforderlich.
Daher kann aus dieser Untersuchung nicht geschlossen werden, dass chiropraktische Justierungen allein die Rehabilitation nach einem Schlaganfall bewirken. Die Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass sie als ergänzende Maßnahme das Potenzial besitzen könnten, neurophysiologische Anpassungsprozesse zu unterstützen.
Fazit
Die randomisierte Studie von Holt und Kollegen zeigt, dass vier Wochen chiropraktischer Justierungen in Kombination mit Physiotherapie bei Schlaganfallpatienten zu größeren Verbesserungen der motorischen Funktion führten als Physiotherapie allein.
Die Ergebnisse liefern interessante Hinweise darauf, dass chiropraktische Interventionen möglicherweise neuroplastische Prozesse und die sensorimotorische Integration beeinflussen können. Gleichzeitig unterstreichen die Autoren selbst, dass weitere Forschung notwendig ist, um diese Zusammenhänge besser zu verstehen.
Quelle
https://www.mdpi.com/2076-3425/11/6/676?utm_source=chatgpt.com

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